Avengers: Age of Ultron

Diese Besprechung von Dr. Alexander Wiehart wurde am 27. April 2015 online gestellt.

Bitte Folgendes beachten: Ziel meiner Besprechungen ist es nicht, Empfehlungen abzugeben. In erster Linie setze ich mich essayistisch mit Filmen und Serien auseinander und behandle an ihnen allgemeine philosophische, sozial- und geisteswissenschaftliche Fragen. Dabei muss ich das „Ende“, Pointen, Wendungen und Clous oft in die Überlegungen einbeziehen. Wer sich daher Spannung und Suspense nicht verderben lassen will, lese meine Kritiken immer erst nach Sehen des Films beziehungsweise der Serie! Die Spoilerwarnung ist hiermit ausgesprochen.

Paula Emil Karoline Frida Gaston Franz Milou  Eule_1 Rosalie

Avengers: Age of Ultron: USA 2015, R und Buch: Joss Whedon, D: Robert Downey jr., Chris Evans, Chris Hemsworth, Scarlett Johansson, Mark Ruffalo, Jeremy Renner, James Spader, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Aaron Taylor-Johnson u. a.

Besprechungsgrundlage ist eine Kinoaufführung.

Der Buffy-Macher Joss Whedon bietet auch mit seinem zweiten Avengers-Film (nach Marvel’s The Avengers, USA 2012) humanes, kluges, einfallsreiches, sinnenfrohes, fetziges Kino. Freilich sprechen gegen den Film all jene Gründe, womit chronisch schlecht aufgelegte Sozialkritiker_innen Unterhaltungskultur pauschal als ideologisch verseucht verdammen. Zwei der Argumente von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gegen die „Kulturindustrie“ lassen sich besonders geschmiert auf Avengers: Age of Ultron anwenden:

Erstens sei der kommerzielle Film ganz allgemein

der Triumph des investierten Kapitals. Seine Allmacht den enteigneten Anwärtern auf jobs als die ihres Herrn ins Herz zu brennen, macht den Sinn aller Filme aus, gleichviel welches plot die Produktionsleitung jeweils ausersieht (Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, in: Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, hg. v. R. Tiedemann, Bd. 3, Darmstadt 1998, S. 145).

Demnach hätten also die horrenden Produktionskosten, um die gerne ein öffentliches Geheimnis gemacht wird – im Falle von Avengers: Age of Ultron an die 300 Mio. $ -, bereits an sich eine Funktion: die Macht des Kapitals immer wieder vor Augen zu führen und die Betrachter_innen dieser Macht zu verpflichten. Einzelheiten und einzelne Personen erscheinen demgegenüber als austauschbar und zweitrangig – wie die fast siebenhundert eher kleinen deutschen Kinos vor allem im ländlichen Bereich, die sich verschlechterte Konditionen der Verleihfirma Disney nicht diktieren lassen wollen und diesen Film daher boykottieren.

Sogar im Plot von Avengers: Age of Ultron ließe sich diese Aussage finden: Hulk (Mark Ruffalo), Iron Man (Robert Downey jr.) und Thor (Chris Hemsworth) verlassen am Ende die Truppe und werden wie auf dem Arbeitsmarkt sogleich von ambitionierten Neuzugängen ersetzt. Einzelne Mitarbeiter_innen kommen und gehen, nur auf den Bestand der Firma kommt es an. In diesem Zusammenhang besonders verräterisch könnte Tony Starks gewohnt ironisch vorgetragene Selbstbeschreibung erscheinen: Er sei nicht der Boss, sondern bezahle nur und entwerfe alles und mache, dass jeder cooler aussieht („I just pay for everything and design everything, make everyone look cooler“). Der Mensch Stark erschöpfte sich demnach in seiner innerbetrieblichen Funktion einer Superheldenriege, die wie ein Unternehmen auftritt: mit Wolkenkratzer als Hauptquartier und schickem Logo. Zudem streben die Avengers den Frieden an wie der Arbeiter und der Bürohengst den Feierabend. Das Nachhausegehen als höchstes Ziel eines im Produktionsprozess entfremdeten Lebens! Unter solchen Bedingungen bleibt nur eines übrig: wie Hawkeye (Jeremy Renner) möglichst weit von der brutalen Realität des beruflichen Wettbewerbs eine ländliche Kleinfamilienidylle zu errichten. Warum dann nicht gleich ganz auf Maschinen umstellen? Dieser Systemlogik folgt Tony Stark tatsächlich, wenn er Ultron (James Spader) als vollautomatisiertes weltweites Sicherheitssystem plant, das die Superhelden ablösen soll bei der Verteidigung des Planeten gegen äußere Aggressoren. Doch Ultron erweist sich als viel schlechter disziplinierbar als die Menschen: er zerreißt die Marionettenfäden und schwingt sich zum radikalen Revolutionär auf, der die Vernichtung des herrschenden Systems (und mit ihm gleich der ganzen Menschheit) betreibt. Kein Wunder also, dass er als Monster von den treuen Rächern des Systems bis zur vollständigen Vernichtung bekämpft wird. Auf diese Weise erhielte das Kinopublikum tatsächlich das Bedürfnis „ins Herz“ gebrannt, unter einem kapitalistischen Regime zu leben und es gegen seine dämonisierten Feinde zu verteidigen.

Als zweite von Horkheimer und Adorno vorgetragene Kritik an allen Kinoproduktionen sei genannt:

Sie sind so angelegt, dass ihre adäquate Auffassung zwar Promptheit, Beobachtungsgabe, Versiertheit erheischt, dass sie aber die denkende Aktivität des Betrachters geradezu verbieten, wenn er nicht die vorbeihuschenden Fakten versäumen will (ebd., S. 148).

Unser Erkenntnisapparat werde demnach mit Effekten permanent so unter Beschuss genommen, dass wir alle geistigen Kräfte aufbieten müssen, um der Action folgen und uns für deren Einzelheiten begeistern zu können. Das kritische Nachdenken erhalte keinen Raum. Damit trainiere uns auch das Kino die Haltung an, Bestehendes so hinzunehmen, wie es uns nun einmal vorgesetzt wird: sei es die Bildung, die man uns an Schule, Hochschule und im Beruf aufzwingt, seien es krankmachende Arbeitsbedingungen oder eine als alternativlos hingestellte politische Ordnung. Überall sind wir angehalten, dem Detail hinterher zu jagen, Schauwerte zu erhaschen und technische Finesse zu bestaunen. Das große Ganze, vor allem das oft verborgene Ziel, dem all der Aufwand dient, bleibe uns dabei verborgen. Kino, zumal ausgefeilte Actionstreifen wie Avengers, verdumme uns also bereits durch die Rezeptionsweise, die es uns abverlangt.

Avengers: Age of Ultron lässt sich also tatsächlich ohne große Anstrengung einer vernichtenden Ideologiekritik à la Horkheimer und Adorno unterwerfen. Gerade bei Philosophierenden wird solches Kritisieren seine (übrigens seinerseits genau kalkulierte) Wirkung nicht verfehlen. Aber handelt es sich um die einzig erlaubte Deutung oder dürfen wir den Film auch anders sehen, so, dass er sich uns nicht als der übliche „Massenbetrug“ (wie es im Untertitel des Abschnitts Kulturindustrie heißt) präsentiert? So, dass er uns vielleicht durchaus anregende Perspektiven auf ein widerständiges Leben eröffnet?

Vielleicht unterschätzen uns Horkheimer und Adorno, wenn sie meinen, dass uns rasante Action und einnehmende Effekte geistig grundsätzlich lähmen und ein Einverständnis mit den herrschenden Verhältnissen erzeugen. Womöglich machen kinotypische Wahrnehmungsanstrengungen im Gegenteil Intellekt und Sensorium erst so richtig vif, um die Komplexität heutigen Lebens zu durchschauen und Alternativen auszuprobieren. Gottfried Wilhelm Leibniz etwa setzte im 17. Jahrhundert größeres Vertrauen in die Menschen: technische Jahrmarktsattraktionen sah er nicht als Mittel verblödender Zerstreuung, sondern als Gelegenheit, den eigenen Verstand zu schärfen.

Gerade Superhelden- und Science-Fiction-Filme konfrontieren uns zudem besonders häufig mit Hero_inen, die sich der ihnen vorgeschriebenen Situationsdeutungen nicht unterwerfen und anders agieren, als von ihnen erwartet. Immer wieder beschämen uns insbesondere Captain Kirk und Buffy mit ihrem subversiven Verhalten. Oft ist in solchen Produktionen vieles nicht, wie es scheint, und wir werden auf die Grenzen unserer Vorurteilsmaschinerie gestoßen – in Avengers: Age of Ultron etwa an der Figur des Vision (Paul Bettany), einer künstlichen, menschengestaltigen Lebensform, die als Produkt Ultrons eigentlich die personifizierte Vernichtung darstellen müsste. Doch Vision besinnt sich, obwohl von den Avengers in der Sekunde seiner Geburt sogleich attackiert, zu einer Position der Hoffnung für die Menschen und schließt sich den Avengers an.

Um auf eine bessere Welt hoffen zu können, müssen wir zuerst die herrschenden Verhältnisse als etwas begreifen, das überwunden werden kann und soll. Dem stünden Horkheimer und Adorno zufolge die kommerziellen Kinoproduktionen nur im Weg. Denn allein schon durch ihren kapitalistischen Gigantismus brennten sie dem Publikum das Einverständnis mit einem Leben als austauschbares Funktionieren, wie es in obigem Zitat heißt, „ins Herz“. Kulturindustrie diente folglich dazu, echte Hoffnung gar nicht erst aufkommen zu lassen. Genau das ist auch die Strategie Ultrons im Film, dem die Avengers im Namen der Hoffnung auf die Verbesserungsfähigkeit der historisch gewachsenen Menschheit entgegen treten. Ihre oben beobachtete Tendenz, auszusteigen und sich ersetzen zu lassen, muss man also nicht unbedingt als Bild des kapitalistischen „Hire and Fire“ deuten. Man darf darin ebenso Ausdruck einer Sehnsucht sehen, einer Sehnsucht nach einer weiter entwickelten Menschheit. Das Verlassen des Kampfplatzes seitens der Superhelden wäre dann der Beginn eines Aufbruchs in bessere Zeiten. Vielleicht ist das naiv gedacht. Doch stehen am Beginn eines Aufbruchs wahrscheinlich immer naive und womöglich ideologisch belastete Vorstellungen, die deshalb aber ihre aufbrechende Wirkung nicht verfehlen müssen. Das hat Ernst Bloch erkannt:

Das Morgen im Heute lebt, es wird immer nach ihm gefragt. Die Gesichter, die sich in die utopische Richtung wandten, waren zwar zu jeder Zeit verschieden, genauso wie das, was sie darin im Einzelnen, von Fall zu Fall, zu sehen meinten. Dagegen die Richtung ist hier überall verwandt, ja in ihrem noch verdeckten Ziel die gleiche; sie erscheint als das einzig Unveränderliche in der Geschichte. Glück, Freiheit, Nicht-Entfremdung, Goldenes Zeitalter, Land, wo Milch und Honig fließt, das Ewig-Weibliche, Trompetensignal im Fidelio und das Christförmige des Auferstehungstages danach: es sind so viele und verschiedenwertige Zeugen und Bilder, doch alle um das her aufgestellt, was für sich selber spricht, indem es noch schweigt (Das Prinzip Hoffnung, Werkausgabe, Bd. 5, 4. Aufl., FaM 1993, Kap. 55, S. 1627.).

Als solche „Zeugen und Bilder“ gelten Bloch gerade auch niederschwellige Werke wie die Romane eines Karl May. Schon ein davonfliegender Luftballon kann anstecken.

Welche der vorgeschlagenen Interpretationen sollen wir uns zu eigen machen? Eine strikt ablehnende im Anschluss an Horkheimer und Adorno oder eine mit dem Film sympathisierende, wie sie sich etwa im Anschluss an Ernst Blochs Prinzip Hoffnung anbietet? Mir erscheint letztere aufmunternder, produktiver – gerade mit Blick auf das politische Engagement für eine bessere Welt. Wie bereits Leibniz schreibt:

Ich habe bemerkt, dass es nichts außer der Hoffnung gibt, das den Mut und die Neugier trägt: schnell ist sie zerstört durch Kummer, durch Alter, durch Krankheiten, durch lästige Reflexionen über das Elend und über die angebliche Nichtigkeit der menschlichen Dinge; Adieu anspruchsvolle Unternehmungen, Adieu schöne Forschungen. Aber ich habe Ihnen ein unfehlbares Rezept gegeben, um dieses große Gut zu bewahren, das die Ruhe dieses Lebens ausmacht und das einen Vorgeschmack auf ein besseres gibt (A VI 4 C 2278. Meine Übersetzung aus dem Französischen).

Doch haben wir überhaupt guten Grund zur Hoffnung? Das Thema des Films entspricht seiner technischen und rhythmischen Vollkommenheit: Perfektion, jene Perfektion, die uns Menschen, ob Honk oder Superheld, so sehr abgeht und die uns letztlich all das menschenfabrizierte Elend beschert: Kriege, Hunger, Seuchen, Armut, Wirtschaftskrisen, Diktaturen, Terror. Ende von Horror und Gräuel nicht in Sicht. Ein global gelingendes gemeinschaftliches Leben zu realisieren – dazu fehlt es uns offenbar an Gestaltungskraft, Verstand und guten Willen. Wie mit dieser Situation umgehen?

Heutzutage setzen wir unsere Hoffnungen gern in die Intelligenz Daten verarbeitender Netze – so auch Tony Stark und Dr. Banner. Das ultimative Gelingen für die Menschheit streben sie nicht an, aber zumindest den vollkommenen Schutz vor extraterrestrischen Aggressoren. (Wenn die Menschheit schon untergeht, dann bitte wenigstens selbstverschuldet und nicht im Sperrfeuer von Außerirdischen!) Es kommt, wie es nach den Genregesetzen kommen muss: das vollkommene Sicherheitssystems Ultron beschränkt sich nicht auf die für ihn vorgesehene Schutzfunktion, sondern steckt sich das höhere Ziel, die Menschheit zu perfektionieren. Da dies mit der bestehenden Menschheit nicht zu leisten sei, müsse sie ausgerottet werden, um für den kommenden neuen Menschen Raum zu schaffen. Ultron vollzieht die biblische Wendung, ein neues Zeitalter mit einer reinigenden Apokalypse einzuläuten, eben The Age of Ultron, wie es im Untertitel des Films heißt.

Die Avengers wissen dies erwartungsgemäß zu verhindern und geben dabei das genaue Gegenbild ab zu einem Regime homogener Perfektion. Denn jeder hat eine ganz besondere Superkraft, einen ausgesprochen wiedererkennbaren Dress, persönliche Loyalitäten, seine individuelle problematische Geschichte, insbesondere sein eigenes Problem mit dem Leben als Superheld. Joss Whedon gelingt es auch in dieser Produktion mit Bravur, eine_einen jede_n der immerhin neun Avengers präzise und sensibel zu charakterisieren. Gerade aufgrund ihrer Unvollkommenheit reicht jede Person immer ein Stück über ihre eigenen Festlegungen hinaus. Damit spiegeln die zusammengewürfelten Superheld_innen erstens unsere Sehnsucht nach unverwechsel- und uneinholbarer Individualität, wie sie etwa auch in den beiden Kick-Ass-Filmen (USA 2010 und 2013) mit viel Witz und Wärme zum Ausdruck gelangt. Zweitens lädt der Film ein, persönliche Eigenheiten und die oft konfliktträchtigen Unterschiede zwischen Menschen gerade als Chance zur Perfektionierung zu begreifen. Denn über den einen, allgemeingültigen Vollkommenheitsstandard, an dem wir uns alle jederzeit gleichermaßen auszurichten hätten, verfügen wir nicht. Vielmehr verändert sich die Einsicht, worin Perfektion bestehen könnte, beständig mit dem zurückgelegten Weg und ist nicht für alle gleich. Diese Mannigfaltigkeit gilt es, produktiv zu nutzen, und gerade nicht, was Ultron vorhat, abzuschaffen. Selbstverständlich fällt es den Avengers unter solchen Bedingungen nicht leicht, zusammen zu finden. Ihre Kooperation hat eher die Form einer jazzigen Kollektivimprovisation, bei der jeder sein eigenes Lied spielt und am Ende dennoch etwas Gemeinsames und Gutes heraus kommt – hoffentlich. Denn eine Garantie für das Gelingen gibt es nicht.

Bewahrt wird diese individuelle Vielfalt trotz der Einheit stiftenden Mitgliedschaft bei den Avengers durch Ironie: Thor zitiert seine eigene ausladend-archaische Redeweise, um Ultron von dem Angriff Visions abzulenken und kommentiert nach erfolgreichem Abschluss der Aktion, dass ihm selbst bald nichts mehr an Heldenrede eingefallen wäre. Diese Ironie erweist sich als zutiefst freiheitlich: das Individuum erhebt eigene Ansprüche und pflegt seine charakteristische Performance. Es fordert aber nicht, dass die Gruppe oder gleich die gesamte Menschheit dieselben Inhalte und Formen des Ausdrucks übernimmt oder mit ihnen auch nur einverstanden ist. Bei den Avengers handelt es sich um „liberale Ironiker“ im Sinne eines Richard Rorty, die nicht meinen, dass es eine höhere, etwa göttliche Legitimation ihrer Ansichten und Lebensformen gibt, die also nicht mehr daran glauben, ihre

zentralen Überzeugungen und Bedürfnisse bezögen sich zurück auf eine Instanz jenseits des raum-zeitlichen Bereiches. Liberale Ironiker sind Menschen, die zu diesen nicht auf tiefste Gründe rückführbaren Bedürfnissen auch ihre eigenen Hoffnungen rechnen, die Hoffnungen, dass Leiden geringer wird, dass die Demütigung von Menschen durch Menschen vielleicht aufhört (Kontingenz, Ironie und Solidarität, übers. v. C. Krüger, FaM 1992, S. 14).

Demgegenüber stört an Horkheimer und Adorno vor allem der penetrante väterlich-mahnende Ernst. In ihm spricht sich die Überzeugung aus, dass die eigene Sicht der Dinge für alle Welt verpflichtend sei. Und schon gar nichts dürfe man auf die Sehnsüchte der „Masse“ geben, die sich ja eh dauernd nur betrügen und fremdbestimmen lasse. Über unsere Köpfe hinweg treffen Horkheimer und Adorno pauschale, letztlich durch nichts begründete Aussagen über uns, vor allem darüber, was wir alles angeblich nicht können.

Da halte ich es lieber mit der selbstbefreienden Ironie der Avengers, etwa wenn die Teammachos Thor und Iron Man sich aneinander messen, indem sie mit dem Können und Wissen ihrer abwesenden Freundinnen angeben. In der letzten Einstellung wirft sich Captain America (Chris Evans) in Führungspose, um die „New Avengers“ zur Einschulung zu begrüßen. Man erwartet den Kampfruf: „Avengers assemble!“ (in den Comics meiner Kindheit als „Rächer sammeln!“ übersetzt), doch der Film schneidet ihm das Wort ab und endet mit einem abrupten Cut nach „Avengers“: Heroismus bleibt unbefriedigt. Ebenso wenig wird es dem Captain gegönnt, ungebrochen in sein eindimensionales Weltkriegspathos zurückzufallen, wie auch Thor in der patriarchalen Rhetorik einer frühgeschichtlichen nordischen Gottheit nur zum Tricksen schwadronieren darf. Puritanische Forderungen gegenüber den Mitstreitern, das Fluchen bitteschön sein zu lassen, werden reichlich verspottet, zumal Captain America bei ihrer Äußerung selbst ein Fluch entweicht. Als individuelle Marotten dürfen die Helden eigenartige Vorstellungen von Benimm und Ehre ausleben. Auf die Idee, allgemeine Verbindlichkeit einer solchen Performance einzufordern, kommen sie nicht.

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