Conjuring – Die Heimsuchung

Diese Besprechung von Dr. Alexander Wiehart wurde am 12. September 2013 online gestellt.

Bitte Folgendes beachten: Ziel meiner Besprechungen ist es nicht, Empfehlungen abzugeben. In erster Linie setze ich mich essayistisch mit Filmen und Serien auseinander und behandle an ihnen allgemeine philosophische, sozial- und geisteswissenschaftliche Fragen. Dabei muss ich das „Ende“, Pointen, Wendungen und Clous oft in die Überlegungen einbeziehen. Wer sich daher Spannung und Suspense nicht verderben lassen will, lese meine Kritiken immer erst nach Sehen des Films beziehungsweise der Serie! Die Spoilerwarnung ist hiermit ausgesprochen.

Conjuring – Die Heimsuchung (The Conjuring): USA 2013, R: James Wan, D: Vera Farmiga, Lili Taylor, Patrick Wilson u. a.

Besprechungsgrundlage ist eine Kinovorstellung.Argus_1

Vorhersehbar – so vorhersehbar, dass Conjuring wieder überraschend ist. Denn der Film endet abrupt, ohne besondere Auflösung. Gott allein macht’s – und „schwupp!“ der Dämon ist verschwunden und kommt hier ausnahmsweise auch nicht wieder. Die Welt ist am Ende ganz heil: In der Sonne verschwinden sogleich alle Blessuren und man liegt sich in den familiären Armen. Ein Happy End – ungewöhnlich unangefochten für einen Horrorfilm (zumal wir aus fast allen Exorzismus-Filmen wissen, dass allzu flotten Exorzismen nicht zu trauen ist). In Conjuring sollte offenbar niemand zu sehr beunruhigt werden – auch durch Stil, Setting und Zeit der Handlung nicht: eine 1970er-Jahre-Spukhausgeschichte in altmeisterlicher Erzähltradition, die von der Filmkritik als Rückkehr zu verlorener Handwerkskunst gelobt und mit hohen Gewinnen belohnt wird. Warum diese Vermeidung aller inhaltlicher und formaler Beunruhigung?

Während des Films ermahnt der edle Geisterjäger die heimgesuchte Familie, an Gott zu glauben und regelmäßig in die Kirche zu gehen. Offenbar soll nahe gelegt werden, dass Dämonen mit Vorliebe Ungläubige terrorisieren und possedieren. Das Gegenteil ist der Fall: Besessenheit kommt nur bei Gläubigen vor; ist ein innerreligöses Phänomen. Sicherster Schutz gegen dämonische Einflussnahmen bietet ein solider Atheismus. Wer seine Kinder vor Dämonen bewahren will, sollte sie von allen dämonengläubigen Religionen fernhalten. Conjuring will uns dagegen wieder einmal unbegründete Angst machen, die uns in die Arme der Kirche treibt, die selbst künstlich das Problem schafft, als dessen Lösung sie sich empfiehlt. Zudem endet der Film mit einem schriftlichen Zitat des Geisterjägers, das uns der Existenz sowohl des leibhaftigen Bösen als auch Gottes versichert: der Ausklang eines Werbefilms für eine Religion, die in simplen Dualismen befangen ist. Zu „Gut und Böse“ Konnte ich in der Besprechung von Das ist das Ende bereits Kritisches anmerken.

Für den dazu passenden Schuss Frauenfeindlichkeit sorgt der Ursprung allen Übels im Film: eine den Familienwerten abholde Hexe früherer Zeiten, die ihr eignes Kind gequält und ermordet hat. Sie wird nicht nur durch exorzistische Praktiken ausgestochen, sondern auch durch das Familienidyll, das ihr die Geisterjäger entgegenhalten. Zurück zu alten Klischees auf breiter Leinwand! – das ist das einzige Beunruhigende an diesem Film.

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