Life (2017)

Diese Besprechung von Dr. Alexander Wiehart wurde am 29. März 2017 online gestellt.

Bitte Folgendes beachten: Ziel meiner Besprechungen ist es nicht, Empfehlungen abzugeben. In erster Linie setze ich mich essayistisch mit Filmen und Serien auseinander und behandle an ihnen allgemeine philosophische, sozial- und geisteswissenschaftliche Fragen. Dabei muss ich das „Ende“, Pointen, Wendungen und Clous oft in die Überlegungen einbeziehen. Wer sich daher Spannung und Suspense nicht verderben lassen will, lese meine Kritiken immer erst nach Sehen des Films beziehungsweise der Serie! Die Spoilerwarnung ist hiermit ausgesprochen.

Life: USA 2017, R: Daniél Espinosa, D: Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Hiroyuki Sanada, Olga Dihovichnaya e. a.

Besprechungsgrundlage ist eine Kinoaufführung.

Leider erweist sich Life als fast durchgehend epigonal. Man bemüht sich gar nicht erst zu verbergen, dass hier weitgehend Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien: UK, USA 1979, R: Ridley Scott) wiederaufgegossen wird, angereichert mit Zutaten aus Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All (The Andromeda Strain: USA 1971, R: Robert Wise), Das Ding aus einer anderen Welt (John Carpenter’s The Thing: USA 1982, R: John Carpenter), Species (USA 1995, R: Roger Donaldson), Europa Report (USA 2013, R: Sebastián Cordero) und Gravity: ein Gebräu brav nach Rezept des Science-Fiction-Horrorgenres. Zusammengemixt wurde so die nach Passengers zweite große SF-Enttäuschung der laufenden Kinosaison – und das, ebenso wie Passengers, trotz Staraufgebotes. Immerhin kann man beiden Filmen solides Handwerk bescheinigen und einige stimmungsvolle Bilder. Neue visuelle Standards setzen sie aber nicht. Das zwielichtige Grün und Blau von Life etwa haben wir bereits in Interstellar (USA, UK 2014, R: Christopher Nolan) gesehen. Das strahlende Weiß astronautischer Aufbruchsstimmung in den 60er Jahren dunkelte mittlerweile verwesungsfarben nach. Ebenso scheint der SF-Horror-Film die Kraft verloren zu haben, sich selbst zu erneuern.

Vorbei ist es auch mit der Zuversicht in Wissenschaft und Technik: Die offenbar unvermeidlichen flotten Sprüche sind in Life deutlich als Fassade erkennbar, die alle nur sichtbar angestrengt und mit einiger Brüchigkeit aufrechterhalten können. Bereits die ersten Bilder künden von der Möglichkeit des Scheiterns: Man sieht, wie eine Sonde demoliert wird. Übertragungsstörungen verzerren und durchruckeln die zur Erde gesendeten Aufnahmen der breit fernsehlächelnden Astronautengesichter. Es sitzt nicht immer jeder Handgriff; nervös floatet man herum, nicht so recht wissend, wohin mit dem schwerelosen Körper. Durch eine Folge von Missgeschicken und Fehlentscheidungen macht die Besatzung denn auch das zuerst freundliche außerirdische Lebewesen schließlich sich und der gesamten Menschheit zum Feind. Nicht also ein großer böser Wille bringt das Unheil in Gang, sondern ein von ungefähr entstehendes Gefüge aus sich addierendem je für sich kleinem, allzumenschlichem Versagen. „Ich habe einen Plan für alles,“ betont die Quarantänebeauftragte Dr. Miranda North (Rebecca Ferguson). Mag sein; doch scheitern die Pläne, die wir so sorgfältig schmieden, nur allzu oft an menschlicher Unzulänglichkeit und/oder der Tücke des Objekts. Eben noch unumschränkte Herrscher im Labor, geraten die Menschen plötzlich selbst in die Rolle der Laborratte – und die Kinobesucher*innen registrieren deren Handlungen, die aber leider alles das nur bestätigen, was wir aus der Science-Fiction bereits zur Genüge kennen. Die Laborratten werden in die alten Labyrinthe geschickt – und müssen auch in Life etwa die defekte Kommunikationseinheit von außen im Zuge eines Weltraumspazierganges richten. Ich kann nur hoffen, dass die realen Raumfahrtingenieure wichtige Technik so im Raumschiff platzieren, dass sie von innen zugänglich und reparierbar ist und niemand ausgerechnet in der Krisensituation eines Defektes auch noch den riskanten Gang ins All wagen muss.

Seine filmischen Qualitäten zeigt Life vor allem im oft präzisen Schnitt, etwa im Wechsel von Gesicht zu Gesicht mit bedeutungsvoller Zwischenschaltung eines Laborrattenkopfes. Erschreckend gut gefällt die letzte Einstellung: Das Netz der Fangleinen breitet sich nach der Wasserung zwischen Fallschirmen und Rettungskapsel über die düstere Meeresoberfläche – ein eindrucksvolles Bild dafür, was der Menschheit droht: trotz heroischer Verhinderungsversuche gelangte die außerirdische Lebensform auf unseren Planeten. Alles Irdische wird sich in ihrer überwuchernden Vitalität verfangen.

Zurückhaltend gelobt sei auch das Monsterdesign. Flott ist der extraterrestrische Einzeller zu einem diaphanen Mischwesen aus Pflanze und Tier herangewachsen. Sein aufklappbarer Kopf, angeregt offenbar von dem Design des Predator-Gesichts, erinnert an mittelalterliche Blattmasken. Es fällt als Hybrid aber nicht nur, typisch für Monster, aus der biologischen Ordnung, sondern, eher untypisch, ist moralisch ambivalent und daher ästhetisch durchaus reizvoll gestaltet in seiner zumindest scheinbaren gläsernen Fragilität. Keineswegs von Hause aus böse, agiert es gegen die Menschen aus der Erfahrung einer Bedrohung und im Wissen, dass die Menschen es vernichten wollen. Diesen Film hätte man aus der Alienperspektive drehen können und vielleicht sogar sollen: nach jahrmillionenlanger Hibernation wacht es in einem Labor auf, wo man mit ihm herumexperimentiert und es zur Unterhaltung des irdischen Nachrichtenpublikums dabei filmt. Welches Recht haben wir eigentlich dazu, mit einem Wesen so umzugehen als wäre es eine bloße Sache und unser Besitz? Wir wissen schließlich gar nicht, ob es nicht vielleicht die Qualitäten einer Person hat oder zumindest entwickeln kann. Stünde es dann nicht unter dem Schutz der Menschenrechte? Life stellt solche Fragen nicht ausdrücklich, durch die ästhetische und moralische Ambivalenz des Wesens legt dieser Film aber nahe, dass die Menschheit sich ihm gegenüber ins Unrecht setzt. Sie verdient den Untergang und bestätigt durch ihr Agieren einmal mehr die Haltung des Bordmisanthropen Dr. David Jordan (Jake Gyllenhaal) der von „acht Milliarden gestörten Wichsern“ spricht.

Durch die Figur dieses Dr. Jordan spielt Regisseur Daniél Espinosa übrigens geschickt mit der Zuschauererwartung: Der raumkranke und menschenverachtende Arzt wirkt anfangs in eingestreuten Kurzsequenzen wie ein stiller Psychopath. Dadurch entsteht die Vermutung, dass Jordan sich im Verlauf der Handlung gegen seine Artgenossen auf die Seite des Vernichters schlagen wird. Doch das geschieht nicht, wiewohl Jordan unwillentlich das Wesen schließlich auf die Erde bringt. Eine andere Überraschung gelingt, wenn der kernige Roy als erster stirbt, verkörpert durch Ryan Reynolds, dem momentan wohl populärsten Schauspieler der Life-Besetzung. Damit verstößt Espinosa wirkungsvoll wenigstens gegen die Regel, den größten Star möglichst lange zu zeigen. Einen gelungenen Verstoß dieser Art leistet sich etwa auch Quentin Tarantino in The Hateful 8.

Solche Details sowie die gekonnte Spannungsführung machen Life trotz seiner geringen Originalität zu einem letztlich ganz annehmbaren Genre-Film. Zudem gibt er durchaus einiges zu denken. Abgesehen von der bereits erwähnten Andeutung der moralischen und rechtlichen Problematik, wirft er die Frage auf, ob wir gut beraten sind, uns von Neugier leiten zu lassen, insbesondere ob wir fremdem Leben mit ungezügelter Neugierde begegnen dürfen. Im Mittelalter stand man seit Augustinus aus theologischen Gründen der curiositas reserviert, wenn nicht gar feindlich gegenüber. Thomas von Aquin etwa behandelt die Neugier vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Gefährlichkeit und macht unter anderem die Erforschung der irdischen Verhältnisse als Gefahrenquelle aus, nämlich

wenn der Mensch nach Wissen über die Schöpfung (cognoscere veritatem circa creaturas) strebt, ohne es auf das rechte Ziel, nämlich auf die Erkenntnis Gottes, (ad debitum finem, scilicet ad cognitionem Dei) auszurichten (S. th. II-II, q. 167, a. 1, resp.).

Dem Aquinaten ist Neugier und Entdeckerfreude auch deshalb suspekt, weil der Mensch darin nicht nur von irreführenden weltlichen Zielvorstellungen, die durch falsche Neugier zustande kommen, bedroht sei, sondern auch von einer Überschätzung seiner Gestaltungskräfte, folglich von Vermessenheit (praesumptio). Selbst wenn wir also durch Wissbegierde (studiositas) Erkenntnis von empirischen Sachverhalten erlangen, bleibt unsicher, ob wir diese Erkenntnis zur Weltgestaltung auch wirklich gut nutzen können.

Diese Einschätzung der Neugier ändert sich radikal im 17. Jahrhundert mit dem Aufkommen der modernen, auf Beobachtung und Mathematifizierung beruhenden Naturwissenschaften. Namentlich für Galileo Galilei ist die neugierige Hinwendung zu der Fülle an unverstandenen Naturphänomenen wirkungsvolles Mittel, sich von der kirchlichen Autorität und einer seiner Meinung nach unwissenschaftlichen philosophischen Tradition zu befreien. Thomas Hobbes stellt in seinem Leviathan von 1651 curiosity als Merkmal, das den Menschen vor dem Tier auszeichnet, gar auf eine Stufe mit Vernunft:

Das Verlangen, das Warum und Wie zu wissen, ist Neugier, die bei keinem anderen Lebewesen als dem Menschen vorkommt. So unterscheidet sich der Mensch also nicht nur durch seine Vernunft, sondern auch durch diese einmalige Leidenschaft von anderen Tieren, bei denen die Vorherrschaft des Nahrungstriebes und anderer sinnlicher Begierden das Bemühen, Gründe kennenzulernen, nicht aufkommen lassen. Es handelt sich dabei um eine geistige Lust, die durch die andauernde Freude an der beständigen und unermüdlichen Erzeugung von Wissen das kurze Feuer jeder fleischlichen Lust weit übertrifft“ (Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, hg. v. I. Fetscher, übers. v. W. Euchner, 13. Aufl., FaM 2006, 1. Teil, 6. Kap., S. 43f.).
Desire, to know why, and how, CURIOSITY; such as is in no living creature but Man: so that Man is distinguished, not onely by his Reason; but also by this singular Passion from other Animals; in whom the appetite of food, and other pleasures of Sense, by predominance, take away the care of knowing causes; which is a Lust of the mind, that by a perseverance of delight in the continuall and indefatigable generation of Knowledge, exceedeth the short vehemence of any carnall Pleasure (Hobbes’s Leviathan, reprinted from the edition of 1651, Oxford 1909, Part I, Chap. 6, p. 44).

Diese Lust findet in der zeitgleichen Barockkunst formenfrohen Ausdruck etwa im Malen aufgebrochener Muscheln, geschälter Zitronen und sezierter Menschen, im Blick hinter den Vorhang, auf die Rückseite und den Rücken, im Geheimnis des verlorenen Profils und der Analyse menschlicher Emotion sowie institutionell in den Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten.

Zwar stehen wir bis heute in dieser frühneuzeitlichen Tradition: Für alles schaffen wir sofort ein Labor, um es zu untersuchen. Wir lassen nichts unseziert auf sich beruhen und für sich bestehen. Doch insbesondere seit wir seit dem 20. Jahrhundert erfahren mussten, wozu Wissenschaft in der Lage ist, bewerten wir Neugier etwas zurückhaltender und gebremst von der Angst vor einer ungezügelten Wissenschaft, die unsere Existenzgrundlagen bedroht oder machtbesessenen Psychopathen allzu wirkungsvolle Waffen zur Verfügung stellt. Friedrich Dürrenmatt gab dieser Gefahr in: Die Physiker (UA 1962, Neufassung 1980) den Ausdruck der Groteske. Historische Vorlage und seitdem Paradebeispiel ist Entwicklung und Bau von Kernwaffen. Deren Einsatz am Ende des Zweiten Weltkrieges kommentiert Bert Brecht:

dieser superfurz übertönt alle siegesglocken.
… die atombombe hat tatsächlich die beziehungen zwischen gesellschaft und wissenschaft zu einem leben-und-tod-problem gemacht (Arbeitsjournal zum 10. und 20.9.1945, zitiert nach: Brechts „Leben des Galilei“, hg. v. W. Hecht, FaM 1981, S. 39f.).

Unter dem Eindruck der Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki gerät die Nachkriegswelt ins „Gleichgewicht des Schreckens“, worin die Machtblöcke einander die völlige Vernichtung im Kriegsfalle glaubhaft versichern (MAD: mutually assured destruction), ein Irrsinn, wie er treffenden filmischen Ausdruck findet in: Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb: GB 1964, R: Stanley Kubrick). All das hat letztlich die theoretische Physik ermöglicht. Der Typus des verrückten Wissenschaftlers (mad scientist), seit Mary Shelleys Roman Frankenstein (1818) in der Populärkultur verankert, erfährt Aufwertung zur globalen Bedrohung. Zwar geriet der Aspekt einer desaströsen Verflechtung von Wissenschaft, Technologie und Politik während der letzten Jahre etwas aus dem Blick. Sie besteht allerdings uneingeschränkt weiter und weitet sich beständig aus – gegenwärtig etwa auf das Gebiet der Künstlichen Intelligenz mit dem Ziel, „autonome Waffensysteme“ zu entwickeln. Immerhin bildet die Machtverstrickung der Wissenschaften jüngst den Hintergrund beispielsweise von Rogue One: A Star Wars Story (USA 2016, R: Gareth Edwards).

Reserve gegenüber Neugier und ungebremstem Bloßlegungsdrang wuchs in den letzten Jahrzehnten beständig an. Das bezeugen filmisch so unterschiedliche Produktionen wie Die schöne Querulantin (La Belle Noiseuse: F 1991, R: Jacques Rivette) und π (auch: Pi – System im Chaos: USA 1998, R: Darren Aronofsky). Life bleibt, dem Sujet und Genre entsprechend, ganz bei der Kritik an naturwissenschaftlicher Neugier. Zwar behaupten die Astronaut*innen, nicht nur eitler Neugierde zu frönen, sondern in erster Linie nützliche Erkenntnisse liefern zu wollen: Man gibt vor, die Menschheit von ihren Krankheiten und Seuchen zu befreien. Allerdings wird nicht klar, worauf sich diese Hoffnung stützt. Vielmehr wird spürbar, dass die allzu bekannte Nützlichkeitsrhetorik nur das Gewissen der Akteure beruhigen soll. Schon seit langer Zeit hat sie sich eingeschliffen im Wettbewerb um Forschungsgelder.

Der Film legt durchaus auch nahe, dass es sich bei der Begeisterung für das fremde Lebewesen lediglich um einen gezielt ausgelösten Medienhype handelt. Man ist an die geschickte PR der Rosetta-Mission erinnert, die den Lander Philae zum Sympathieträger für Millionen werden ließ, dem man wehmütig hinterherwinkte, als sein nun mit Weltraumschrott belasteter Komet entschwand. In Life dürfen Schulkinder dem neu entdeckten Lebewesen einen Namen geben. Die öffentlichkeitswirksam verkündete Wahl fällt auf „Calvin“, dem Namen des Patrons der ausgelosten Schule. Etwas Besseres fällt der Menschheit wohl nicht ein. Was für ein Kolonisationsgestus hinter dieser Namensgebung sich verbirgt und was für eine umarmend-verniedlichende Haltung gegenüber der Natur! Entsprechendes war in der Realität bereits etwa in dem Berliner Bohei um „Knut“ zu beobachten. Dem Film ist also durchaus zugute zu halten, dass er besondere Facetten unseres medial vermittelten Verhältnisses zu nicht-menschlichen Lebewesen enthüllt: Es pendelt zwischen irdischer Provinzialität, süßlich humoriger Sentimentalität schlechter Kinderbücher und naturwissenschaftlicher Verdinglichung.

Wir sind also gut beraten, gerade die grandios angekündigten und von der Öffentlichkeit euphorisch begleiteten Forschungsprojekte unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu hinterfragen – umso bohrender je verdächtiger sie unseren Science-Fiction-Fantasien und medial erzeugten Erwartungen entgegenkommen. Publikumsinteresse wird gegenwärtig geschürt etwa an den verschiedenen Ideen zu einem bemannten Marsflug. Die Kolonisierung des Roten Planeten käme ja auch maßgeschneidert auf menschliche Prestigesucht und mediale Sensationsgier daher. Nicht dass es wahrscheinlich wäre, je in körperlichen Kontakt zu extraterrestrischem Leben zu treten und durch Aliens, vorzugsweise vom Mars, ausgelöscht zu werden (letzteres machen wir schon selbst) – die Gefahren liegen eher in der Verschwendung knapper irdischer Ressourcen, die anderswo humaner einzusetzen wären, im Ablenken von unseren irdischen Problemen und im Schaffen von Technologien, die dann gleich vor allem wieder der Waffenproduktion oder anderen menschlichen Unternehmen zu Gute kommen, die uns der Selbstauslöschung näherbringen.

Nüchtern zu prüfen wäre insbesondere die Hochjubelung der Frage, ob es außerirdisches Leben gibt: Handelt es sich wirklich um eine Schicksalsfrage der Menschheit? Im Kino wird das laufend unterstellt, nicht nur in Klassikern wie 2001: Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey: UK, USA 1968, R: Stanley Kubrick), sondern auch in eher biederen Produktionen wie vor kurzem Europa Report. Dass sich Leben nicht nur auf der Erde entwickelt hat, ist zwar hochwahrscheinlich, dass seine Entdeckung und Erforschung für uns je größere Bedeutung gewinnen werden, bleibt allerdings sehr fraglich. Der Begeisterung über den ersten Kontakt würde wohl bald die Ernüchterung folgen, wie bereits von Stanisław Lem im Roman Solaris (1961; dessen berühmte Verfilmung durch Tarkowski setzt andere Schwerpunkte) vorhergesehen und voller politischem Biss gefilmt in District 9 (USA u. a. 2009, R: Neill Blomkamp).

Uneingeschränkt neugierdeeuphorisch war übrigens selbst das 17. Jahrhundert nicht. So etwa warnen ausgerechnet die beiden Spitzenwissenschaftler unter den Philosophen: Descartes und Leibniz vor einer blinden, weil ins Leere zielenden, unmethodischen curiositas, die nur unsere Sensationslust befriedigt:

Das macht die Krankheit derjenigen aus, die von blinder Neugier besessen sind, d. h. die Seltsamkeiten nur suchen, um sich über sie zu wundern, und nicht um sie zu erkennen (Et c’est ce qui fait durer la maladie de ceux qui sont aveuglement curieux, c’est à dire, qui recherchent les raretez seulement pour les admirer, & non point pour les connoistre; René Descartes: Die Leidenschaften der Seele. Französisch-deutsch, hg. v. K. Hammacher, 2. Aufl., Hamburg 1996, Teil 2, Art. 78, S. 120f.).

Und Gottfried Wilhelm Leibniz spricht mahnend von der

Unmäßigkeit, genährt durch die Neugier des menschlichen Geistes, durch Ehrgeiz und Eifer der Autoren sowie durch vorgeschobene Freiheit des Philosophierens (intemperiem curiositate humanae mentis, et ambitione ac studiis autorum, et praetexta libertate philosophandi; Elementa Rationis, AA VI, 4 A, N. 162, S. 726 , meine Übers.).

Diese Worte seien heute besonders den Medien, namentlich dem Science-Fiction-Kino, ins Stammbuch geschrieben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s