Gefreiter Wiehart †

Vor wenigen Tagen ergab sich beim Auflösen des Haushaltes meiner verstorbenen Eltern wieder ein völlig unerwarteter Fund – ausgerechnet in der letzten noch nicht durchstöberten Ecke: die mir bislang völlig unbekannten Fotos, die ein Feldgeistlicher vom Grabkreuz meines im Zweiten Weltkrieg gefallenen Großvaters (offenbar standardmäßig) gemacht und meiner Großmutter mit kurzem, formelhaftem Schreiben ohne Unterschrift geschickt hat. „Eigentlich eine unglaubliche Frechheit, dass man mir den Großvater stahl – über 20 Jahre bevor ich geboren wurde.“ So dachte ich zuerst. Dann dachte ich an meinen Vater, den die Nazis im Alter von 11 Jahren den Vater gestohlen hatten und der seit seinem 8 Lebensjahr so gut wie ohne Vater aufwachsen musste. Mit Karl Wiehart wären wir andere geworden. Und wie viele hätten die Chance überhaupt zu werden gehabt, wenn nicht Heere deutscher Aggressoren über sie hergefallen wären?

Gräberfeld des Karl Wiehart (1943)

 

 

Grabkreuz des Karl Wiehart (1943)

Ich bezweifle, dass von den verwelkten Blumen in zerdrückter Blechdose auf dem Grab eine tröstliche Stimmung für meine Großmutter wird ausgegangen sein.

Begleitschreiben Fotos der Grabkreuze Gefallener (Wiehart) Kopie

Warum betont der Divisionspfarrer eigentlich, dass er die Fotos aufgenommen hat? Standen Gräberfotos von der Hand eines Pfarrers irgendwie höher im Kurs als jene von gottferneren Händen? Oder will er mir das Nutzungsrecht an den Fotos streitig machen?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s